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| Roter Mond | ||
| Die totale Mondfinsternis am 28. Oktober 2004 |
Die totale Mondfinsternis in der Nacht vom 27. zum 28. Oktober (von Mittwoch zu Donnerstag) ist die zweite in diesem Jahr und zugleich die letzte bis 2007. Sie beginnt in der zweiten Nachthälfte und zieht sich bis weit in die Morgendämmerung hin.
Die Finsternis beobachten
Die Daten im Überblick
Andere Standorte als Halle
Webcasts
Fotografie / Danjon-Skala
Die Finsternis vom 8./9. November 2003, zur Mitte der Totalität.
Ein ähnlicher Anblick erwartet uns am 28. Oktober 2004.
© Marc Weihrauch / GaB e.V.
Alles wichtige über die Mondfinsternis auf einen Blick: Der Weg des Mondes durch den Erdschatten, der Sichtbarkeitsbereich der Finsternis und die wichtigsten Daten. Mit freundlicher Genehmigung von Fred Espenak, NASA/GSFC |
Die
letzte totale Mondfinsternis
fand vor knapp einem halben Jahr statt. Für Deutschland spielte sie sich in der Abenddämmerung ab -
und leider meist auch hinter dichten Wolken. Diesmal fällt bei uns die letzte Phase der Finsternis in
die Morgendämmerung. Das ganze Schauspiel beginnt recht unscheinbar, wenn der Mond um 2.05 Uhr MESZ in den Halbschatten der Erde eintritt. Davon bemerkt man zunächst gar nichts. Erst gegen 2.45 Uhr dürften aufmerksame Beobachter feststellen, dass etwas im Gange ist. Der Vollmond strahlt dann nicht mehr ganz so grell vom Himmel. Vor allem macht sich ein Helligkeitsunterschied bemerkbar: Der Ostrand des Mondes (um diese Zeit "links oben") steht schon tief im Halbschatten und erscheint etwas dunkler als der Westrand ("rechts unten"), der noch volles Sonnenlicht erhält. Wer die Augen nicht wirklich offen hält, der wird von diesen feinen Veränderungen nichts mitbekommen. Etwa eine halbe Stunde später geht es richtig los. Um 3.14 Uhr tritt der Mond in den Kernschatten der Erde ein. Das ist der Bereich, in den gar kein direktes Sonnenlicht mehr fällt. Immer tiefer dringt der Mond in den Schatten vor und wird dadurch immer weiter verdunkelt. Die Totalität beginnt um 4.23 Uhr. Jetzt steht der Mond ganz im Schatten der Erde und bekommt überhaupt kein direktes Sonnenlicht mehr. Nur die Erdatmosphäre, die wie eine gigantische Linse wirkt, lenkt noch ein wenig Licht auf den Mond und lässt ihn schwach rötlich schimmern. Wahrscheinlich wird dieses Restlicht vor allem zur Finsternismitte relativ dunkel sein, weil sich der Mond diesmal dem Zentrum des Erdschattens weit nähert. Sein Südrand wird praktisch die Mitte des Erdschattens berühren - nur 0,7 Bogenminuten trennen ihn vom Schattenzentrum, wenn die Finsternis um 5.04 Uhr ihren Höhepunkt erreicht. Zu dieser Zeit wird der Südrand des Mondes viel dunkler aussehen als der Nordrand. Die Aktivität des Vulkans Mount St. Helens wird sich dagegen kaum auf die Helligkeit des Mondes auswirken. Zwar können starke Vulkanausbrüche dafür sorgen, dass der Mond während einer Finsternis praktisch unsichtbar wird, aber dazu müssen sie große Mengen Schwefeldioxid in die Stratosphäre befördern (mindestens 16 km Höhe). Das ist in den vergangenen Jahren bei keinem Vulkan geschehen, auch nicht am Mount St. Helens. Da der Mond fast mittig durch den Erdschatten läuft, wird sich sein Aussehen auch während der Totalität stark verändern: Zu Beginn wird ein heller Streifen im Nordosten des Mondes sichtbar sein, der zur Finsternismitte langsam verblasst. Gegen Ende der totalen Phase wird sich dagegen ein heller Streifen im Nordwesten des Mondes bilden. Fast eineinhalb Stunden dauert diesmal die Totalität. Sie endet erst nach 81 Minuten, um 05.45 Uhr. Zu dieser Zeit bekommt der erste Punkt auf der Mondoberfläche wieder direktes Sonnenlicht. Nach und nach schiebt sich Luna aus dem Kernschatten der Erde heraus, aber gleichzeitig sinkt sie immer weiter dem Westhorizont entgegen. Noch während dieser zweiten partiellen Phase zeigt sich im Osten das erste Licht der Dämmerung, angekündigt vom strahlend hellen "Morgenstern" Venus. |
Um 6.54 Uhr hat der Mond den Kernschatten ganz verlassen. Nur der Halbschatten der Erde lässt ihn jetzt noch ein wenig dunkler als sonst scheinen, aber in der hellen Morgendämmerung kann man das kaum mehr wahrnehmen. Wenn sich Luna um 8.03 Uhr vollends aus dem Halbschatten befreit hat und die Finsternis endet, klettert die Sonne im Osten Deutschlands bereits über den Horizont. Bald darauf geht der Mond unter...
Um eine Mondfinsternis zu beobachten, brauchen Sie kein Fernrohr. Schon mit dem bloßen Auge oder mit einem Feldstecher können Sie das Schauspiel verfolgen. Auch ein Schutzfilter wie bei der Sonnenbeobachtung brauchen Sie natürlich nicht, denn der Mond scheint nie so hell, dass er den Augen gefährlich werden könnte. Sie müssen also einfach nur zur Zeit der Finsternis nach draussen gehen und zum Mond schauen - das ist alles! Wichtig ist nur, dass Sie sich einen Platz mit freier Sicht zum westlichen Horizont suchen, weil sich die letzten Phasen der Finsternis in geringer Höhe abspielen.
Die wichtigsten Daten im Überblick
(alle Zeiten in MESZ; Auf- und Untergangszeiten, Dämmerungszeiten sowie Mondhöhe für Halle berechnet)
| Zeit | Mondhöhe | Ereignis |
|---|---|---|
| 02:05:32 | 47° 45´ |
Beginn der Halbschattenfinsternis Der Mond tritt in den Halbschatten der Erde ein. |
| 03:14:23 | 41° 22´ |
Beginn der partiellen Finsternis Der Mond tritt in den Kernschatten der Erde ein. Die Verdunkelung wird auffällig, ein immer größeres Stück des Mondes "fehlt". |
| 04:23:25 | 32° 37´ |
Beginn der totalen Finsternis Der Mond steht jetzt ganz im Kernschatten und schimmert rötlich. |
| 04:30 | 31° 43´ |
Venusaufgang Venus steigt als heller Morgenstern über den Horizont - noch bevor die Dämmerung beginnt und noch in der ersten Hälfte der Totalität. |
| 05:04:04 | 26° 53´ |
Größte Finsternis Der Mond steht jetzt am tiefsten im Erdschatten. Wahrscheinlich ist sein Südrand (um diese Zeit "links") erheblich dunkler als sein Nordrand. |
| 05:44:41 | 20° 56´ |
Ende der totalen Finsternis Der Mond steht nicht mehr vollständig im Kernschatten. |
| 06:06 | 17° 46´ |
Beginn der astronomischen Dämmerung Die Sonne steht noch 18° unter dem Horizont. Ab jetzt macht sich das erste Dämmerungslicht bemerkbar, es ist nicht mehr völlig dunkel. |
| 06:45 | 12° 00´ |
Beginn der nautischen Dämmerung Die Sonne steht noch 12° unter dem Horizont. Auch die helleren Sterne beginnen zu verblassen. |
| 06:53:42 | 10° 44´ |
Ende der partiellen Finsternis Der Mond hat den Kernschatten ganz verlassen. |
| 07:23 | 6° 30´ |
Beginn der bürgerlichen Dämmerung Die Sonne steht noch 6° unter dem Horizont. Es wird "richtig hell". |
| 07:58 | 1° 44´ |
Sonnenaufgang Die Sonne steigt über den Horizont. |
| 08:02:42 | 1° 09´ |
Ende der Halbschattenfinsternis Der Mond hat auch den Halbschatten verlassen. |
| 08:15 | 0° 00´ |
Monduntergang Kurz nach Ende der Finsternis verschwindet der Mond unter dem Horizont. |
Wie verläuft die Finsternis an anderen Orten als Halle? Ganz egal, wo Sie sich aufhalten: Die Finsternis verläuft überall zeitgleich. Sie beginnt und endet an jedem Ort im selben Moment. Nur die Zeiten von Sonnenuntergang und Mondaufgang hängen vom Standort ab.
Im Großen und Ganzen verläuft die Finsternis aber in ganz Deutschland ähnlich. Während der zweiten partiellen Phase, während der Mond also aus dem Kernschatten herauswandert, beginnt die Morgendämmerung. Gegen Ende der Halbschattenfinsternis geht die Sonne auf und bald darauf der Mond unter. Die interessantesten Phasen der Finsternis werden aber kaum gestört.
Die Zeiten des Sonnenaufgangs und des Monduntergangs über einigen großen deutschen Städten haben wir für Sie zusammengestellt. Wann Sie den Mond tatsächlich unter dem Horizont verschwinden und die Sonne aufgehen sehen, hängt natürlich von Ihrem genauen Standort ab. Stehen Sie auf einem hohen Berg oder Turm? Wie frei ist Ihre Sicht zum Horizont? Sogar der Zustand der Erdatmosphäre hat einen gewissen Einfluss. Sie können also kleine Abweichungen von diesen berechneten Zeiten beobachten.
| Stadt | Sonnenaufgang (MESZ) | Monduntergang (MESZ) |
|---|---|---|
| Berlin | 7.55 | 8.12 |
| Frankfurt (Main) | 8.09 | 8.25 |
| Hamburg | 8.12 | 8.29 |
| Köln | 8.17 | 8.35 |
| München | 7.53 | 8.07 |
| Nürnberg | 7.57 | 8.13 |
| Saarbrücken | 8.13 | 8.30 |
Wenn das Wetter schlecht ist und Wolken den Blick zum Roten Mond versperren, dann kann man das Ereignis immer noch live im Internet verfolgen. Einige Adressen solcher Webcasts haben wir für Sie zusammengestellt:
Olivier "Klipsi" Staiger
Saros Group (Gran Canaria)
Saros Group (Mexiko)
University of North Dakota
Westdeutscher Rundfunk (Bochum)
ParsSky (Iran)
Vereinigung der argentinischen Sternfreunde
East Antrim Astronomical Society (Magharafelt, UK)
Universität Vale do Paraiba (Brasilien)
Volkssternwarte Mira (Grimbergen, Belgien)
Astronet (Belgien / Niederlande)
Wollen Sie mehr tun, als die Finsternis "nur" zu beobachten? Dann können Sie versuchen, eigene Fotos aufzunehmen oder einen Wert auf der Danjon-Skala zu schätzen. Dabei ordnet man der Finsternis einen Wert zwischen 0 und 4 zu - je dunkler der Mond in der Totalität ist, desto kleiner ist der Danjon-Wert. Solche Schätzungen machen es einfacher, verschiedene Mondfinsternisse miteinander zu vergleichen. Außerdem benötigt man den Danjon-Wert, um die Belichtungszeit für den "Roten Mond" zu ermitteln.
Da sich die Helligkeit des Mondes während der Totalität verändert, sollte man diese Einschätzung mehrmals vornehmen: Zu Beginn, zur Mitte und zum Ende der Totalität. Notieren Sie sich jeweils die Uhrzeit und den geschätzten Danjon-Wert. Falls Sie durch ein Fernglas oder ein Teleskop geschaut haben, notieren Sie auch dessen technische Daten. Ihre Beobachtungen können dann sogar in wissenschaftlichen Projekten verwertet werden. So nimmt z.B. Dr. Richard Keen von der University of Colorado, Boulder Danjon-Schätzungen entgegen - er untersucht den Einfluss von Vulkanausbrüchen auf die Erdatmosphäre. Auch bei der amerikanischen Astronomiezeitschrift Sky & Telescope freut man sich über Beobachtungsmeldungen (bitte Namen und Anschrift mit angeben).
Eine ausführliche Beschreibung der Danjon-Skala finden Sie hier (Englisch). Eine deutsche Übersetzung der Kriterien für die fünf Stufen können Sie hier herunterladen.
Eine gute Anleitung zur Finsternisfotografie ist hier zu finden (Englisch). Es werden verschiedene Techniken beschrieben, so dass nicht nur Telekopbesitzer zum Zug kommen. Besonders hilfreich ist dabei diese Belichtungstabelle.
Text: © Marc Weihrauch / GaB e.V., Grafik und Berechnungen des Finsternisverlaufs mit freundlicher Genehmigung von Fred Espenak, NASA/GSFC