Der Astroverein Halle
  Die Quadrantiden
  Sternschnuppen im Januar

Zu den Beobachtungstips 2005

Gleich zu Beginn des Jahres sorgen die Quadrantiden für sternschnuppenreiche Nächte. Obwohl sie zu den weniger bekannten Meteorströmen gehören, sind sie doch eine Beobachtung wert.

Im Prinzip funktionieren die Quadrantiden ganz ähnlich wie die Perseiden: Die Erde kreuzt einmal im Jahr eine Staubspur im Sonnensystem. Dadurch dringen unzählige Staubkörner in die Erdatmosphäre ein, verglühen und bringen die Luft entlang ihrer Flugbahn kurz zum Leuchten. Dieses Leuchten sehen wir als Sternschnuppen am Himmel. Durch einen perspektivischen Effekt scheinen alle Sternschnuppen von einem Punkt am Himmel auszuströmen; diesen Punkt nennt man den Radianten.

Üblicherweise benennt man einen Meteorstrom nach dem Sternbild, in dem sich der Radiant befindet. So tragen z.B. die Perseiden ihren Namen nach dem Sternbild Perseus. Die Quadrantiden sollten demnach scheinbar aus dem Sternbild Quadrant strömen. Seltsam daran ist nur, dass es gar kein Sternbild dieses Namens gibt! Des Rätsels Lösung ist einfach: Der Quadrant oder Mauerquadrant (lat. Quadrans muralis) ist ein veraltetes Sternbild, das heute nicht mehr verwendet wird. Seine Sterne werden heute zum Sternbild Bootes, dem Bärenhüter, gerechnet.

Ein Foto der Perseiden 1997.
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© Rick Scott
Das ist noch nicht die einzige Besonderheit der Quadrantiden. Man hat nämlich lange keinen Kometen gefunden, der als Ursprungskörper für diesen Strom in Frage kommt. Im Dezember 2003 konnte aber Peter Jenniskens (bekannt durch erfolgreiche Arbeiten über Meteorströme und exakte Vorhersagen auf diesem Gebiet) einen Planetoiden als Mutterkörper identifizieren: Die Quadrantiden stammen von dem Kleinplaneten 2003 EH1. Offenbar muss es sich dabei um einen "erloschenen", einen inaktiven Kometenkern handeln. Jenniskens Papier über seine Entdeckung finden Sie hier (Englisch).

Außerdem verändert sich die Bahn der Quadrantiden laufend: Die "Staubspur" im All, die von diesen Partikeln gebildet wird, wird ständig durch den Einfluss von Jupiters Schwerkraft verformt. Das Perihel der Quadrantiden, also ihr sonnennächster Bahnpunkt, hat sich dadurch schon weit von der Sonne entfernt. Und es wird weiter nach außen wandern! Irgendwann ist der Abstand zur Sonne so groß geworden, dass die Erdbahn nicht mehr durch diese Staubspur hindurch führt: In etwa 500 Jahren wird der Meteorstrom der Quadrantiden verlöschen.

Heute zählen die Quadrantiden aber noch zu den ergiebigsten Meteorströmen: Bis zu 100 oder 120 Sternschnuppen pro Stunde kann man unter theoretischen Idealbedingungen beobachten.

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